Wieso es Werbung nicht umsonst gibt

Wieso es Werbung nicht umsonst gibt

Freund XY: Hä? Freue dich doch, dass du etwas umsonst bekommst?! Musst ja eh nur ein Foto posten.

Natürlich freue mich darüber, dass ich durch meine Reichweite Gegenstände und Dienstleistungen „umsonst“ bekomme, aber ganz ehrlich, davon kann ich meine privaten Einkäufe und Rechnungen auch nicht begleichen. Leider ist auch „nur ein Foto“ keine Arbeit, die in einer Minute erledigt ist. Von dem Aufwand für einen Blogbeitrag möchte ich erst gar nicht anfangen. Klar könnte ich mein Paket aufreißen und so wie das Produkt gerade daliegt ein Foto davon schießen, aber ob es dann ansprechend genug ausschaut, ist eine andere Frage. Ich glaube, dass es den wenigsten Nicht-Bloggern überhaupt klar ist, dass hinter einem (Instagram-)Foto mehr als nur eine Produktplatzierung steckt. Wer bezahlt die Dekoration für das Foto? Wie bekommt man eine gute Qualität hin? Richtig, man muss sich eine Kamera und passendes Equipment anschaffen. Selbstverständlich möchte man nicht auf seinen Kosten für paar schöne Bilder sitzen bleiben. Jetzt könnte man auch behaupten: „Na gut, eigentlich braucht man das ganze Zeug ja nicht.“ Blöd, dass selbst die Bearbeitungsapps heutzutage etwas kosten und ganz ehrlich, würdet ihr dann noch Bilder liken und Accounts folgen, wenn diese nicht instagramable aussehen würden – auch, wenn wir alle genau wissen, dass diese Bilder eigentlich eh nur fake sind? 

Processed with VSCO with a6 preset

Start-Up XY: „Bitte poste mindestens 3 unterschiedliche Bilder nur mit unserem Produkt im Bild in den nächsten 2 Wochen. Für Blogger gibt es aktuell kein Budget, aber dafür wirst du vielleicht von uns auf Facebook gepostet und kriegst hochwertigen Schmuck im Wert von 30€.“

Wenn eine Firma oder Agentur mir so ein Kooperationsangebot, welches mir natürlich nur Vorteile bietet, schickt, frage ich mich manchmal, ob es wirklich andere Blogger gibt, die dieses Angebot angenommen habentatsächlich gibt es solche Blogger, sonst würde es solche Angebote erst gar nicht geben. Es ist auch völlig legitim, wenn jemand mit seinem Blog oder Instagram kein Geld verdienen möchte, aber leider leiden dann die Marktwerte der anderen Blogger.
In der Zeit, in der ich mit der Gegenpartei per Mail verhandel, kriegt sie ihren üblichen Stundenlohn bezahlt. Und ich? Ich habe meine Zeit mit E-Mail schreiben verschwendet. Zeit, die ich für mein Studium brauche. Bei meinem Instagramaccount tut sich auch nichts von alleine und ganz ehrlich, wie viele freiwillige Stunden sitze in einer Woche vor meinem PC? Ich will es gar nicht wissen. Ich höre nie wirklich auf zu arbeiten. Eigentlich sollte ich wirklich mir mal dazu paar Gedanken machen und meine Arbeit zeitlich tracken… Natürlich macht mir das alles hier viel Spaß und ich schreibe auch diesen Beitrag aus eigenem Interesse, aber ist das nicht viel schöner, wenn man für seine Arbeit entsprechend entlohnt wird? Wieso werden Blogger ungerne bezahlt? Na, weil sie doch eh aus Spaß bloggen und sich deswegen glücklich schätzen sollten, dass sie umsonst ein Schokoriegel probieren dürfen. 😀 Also eigentlich ist der nicht mal umsonst, denn es wird erwartet, dass dafür ein entsprechender Beitrag online kommt. 

Kommen wir zurück zum Angebot: Also gewünscht sind 3 unterschiedliche Bilder mit nur einer Sache im Mittelpunkt. Hier stellt sich mir die Frage, wie man 3 unterschiedlich inszenierte Bilder, die auf Instagram gut ankommen sollen, hinbekommen soll. Also ich persönlich finde 3 Bilder von einer Hand in einem kurzen Zeitraum mehr als zum Gähnen – im schlimmsten Fall entfolge ich so einem Account. Bisschen mehr Flexibilität für  Blogger und Influencer sollte da schon drinnen sein. Immerhin wissen wir am Besten, was unseren Lesern und Follower wirklich gefällt und können es dementsprechend umsetzen und auch das kostet Zeit und Arbeit. Ich kenne keinen Fotografen, der umsonst arbeitet. Ihr vielleicht?

Processed with VSCO with a6 preset

Das wollte ich heute kurz loswerden, weil ich die letzten Wochen wirklich öfters solche Anfrage gekriegt hab und erst gestern mit paar Bloggerfreundinnen über diese Situation geredet habe. Kurz am Rande: Jeder von uns ist dankbar für die Möglichkeiten, die uns das Bloggen ermöglicht. Es wird halt auch irgendwann zum Alltag täglich Pakete zu kriegen, wie auch die Angewohnheit jedes Mal sein Essen fotografieren zu müssen. Trotzdem hat man immer im Hinterkopf, wieso man diese Arbeit gerne tut. 😉

Wie seht ihr diese ganze Situation? Hier gelangt ihr übrigens zu meinem weiteren Beitrag „Was mich am Bloggen nervt“. Bitte nimmt es mir nicht all zu böse, dass zurzeit seltener Beiträge von mir kommen, aber ich befinde mich wieder in der Klausurphase und möchte dieses Semester mich mehr ins Zeug legen. Auf Instagram halte ich euch natürlich weiterhin auf dem Laufenden.  🙂